Wann sind Eheverträge sinnvoll?

| Familienrecht

Es ist dem Heiratswilligen regelmäßig nicht bewusst, aber wenn er heiratet, dann schließt er mit seinem Partner einen sehr umfassenden Vertrag. Es entstehen zunächst wechselseitig Unterhalts- und Beistandspflichten. Das Eigentum am Vermögen wird familienrechtlich durch das Ehegüterrecht überlagert.

Ob es vor diesem Hintergrund sinnvoll oder erforderlich ist, einen Ehevertrag zuschließen, kann nicht pauschal beantwortet werden.

Von vorbeugenden Eheverträgen wird gesprochen, wenn ein Ehevertrag vor der Eheschließung oder doch jedenfalls im Verlauf der Ehe vor einer ehelichen Krise geschlossen wird. Hierbei geht es darum, auf dem Hintergrund großer familienrechtlicher Erfahrung abzuschätzen, ob im konkreten Fall die gesetzlichen Regelungen für Trennung und Scheidung für diese Eheleute zu einem eventuell gravierenden wirtschaftlichen Problem führen können und daher eine ehevertragliche Modifikation sinnvoll ist.

Bei jungen Leuten, die beide angestellt berufstätig sind und bei denen noch die ganze Entwicklung offen ist, wird man es häufig bei den gesetzlichen Regelungen belassen.

Für Freiberufler ist das gesetzliche Güterrecht nicht ideal

Handelt es sich um Freiberufler wie z.B. Ärzte, Architekten, Steuerberater oder Unternehmensberater oder um einen selbständigen Unternehmer oder Handwerker, kann eine spätere Scheidung auf der Basis des gesetzlichen Güterrechts erhebliche wirtschaftliche Probleme für das Unternehmen bedeuten. Hier ist eine individuelle Beratung im Hinblick auf eine anderweitige ehevertragliche Regelung sehr sinnvoll.

Ehevertag bei geerbtem Vermögen

Ein Ehevertrag ist auch zu erwägen, wenn einer oder beide Ehegatten spätere Erbschaften erwarten. Zwar ist dieser Vermögenszufluss im gesetzlichen Güterstand privilegiert, das heißt das Erbe als solches ist kein Zugewinn. Die weitere Entwicklung des Wertes auch des geerbten Vermögens fällt aber in den auszugleichenden Zugewinn hinein. Bei einer späteren Scheidung stellen sich dann Bewertungsfragen, die unter Umständen zu teuren Gutachten zwingen.

Ehevertrag bei "Spätehen"

Eheverträge können auch sehr sinnvoll sein, wenn die Ehe erst im fortgeschrittenen Alter geschlossen wird. Regelmäßig ist der Vermögensaufbau bereits abgeschlossen. Jeder hat seine berufliche Karriere entfaltet und vielfach stellt sich die Frage nach gemeinsamen Kindern nicht mehr. Es gibt womöglich beiderseits Verpflichtungen gegenüber einem früheren Partner oder Partnerin und gegenüber Kindern aus früheren Ehen oder Beziehungen. Bei dieser Konstellation kann es sehr sinnvoll sein, für den Fall der Scheidung die gesetzlichen Regelungen vertraglich zu modifizieren.

Eheverträge können auch später noch geschlossen werden

Sehr sinnvoll sind Eheverträge, wenn das Scheitern der Ehe feststeht. Dann wird von einem Trennungs- und Scheidungsfolgenvertrag gesprochen.

Die Mandanten vermitteln immer wieder den Wunsch, einerseits ihre Interessen möglichst gut umzusetzen und andererseits keinen langatmigen gerichtlichen Streit zu führen. In einer Trennungs- und Scheidungsfolgenvereinbarung kann man diesem Wunsch nachgehen. Die frühe Einbindung familienrechtlich erfahrener Anwälte führt häufig zu einer Versachlichung der Auseinandersetzung. Dies ist zumeist der entscheidende Schritt hin zu einer Vereinbarung, mit der die Ehegatten ihre Streitigkeiten beilegen können. Positiver Nebeneffekt dieser Vereinbarungen ist häufig, dass der miteinander geschlossene Vertrag auf größere Akzeptanz beider Ehegatten trifft und so zu einer Befriedung der Situation führt.

Statt sich bei der Trennung und Scheidung auf einen evtl. lang andauernden Rechtsstreit mit unsicherem Ergebnis und eventuell hohem Kostenrisiko einzulassen, ist es regelmäßig empfehlenswert, die Dinge in einem Trennungs- und Scheidungsfolgenvertrag zu regeln. In der weitgehend frei verhandelbaren vertraglichen Regelung können die Eheleute das vereinbaren, was sie und nicht ein ihnen unbekannter Richter für ihre Familie für richtig erachten.

Beratung durch einen Fachanwalt für Familienrecht hilft bei den diffizilen Fragen eines Ehevertrags

Es versteht sich von selbst, dass solche Eheverträge, die häufig z.B. beim Unterhalt oder den Renten weit in die Zukunft wirken, nicht ohne fachkundige Begleitung durch einen Anwalt erfolgen sollten. Eine fachkundige individuelle Beratung, die alle Aspekte in ihren Wechselbeziehungen berücksichtigt, ist zwingend erforderlich, bevor man sich für oder gegen einen Ehevertrag entscheidet.

Der erfahrene Familienrechtsanwalt hat viele hundert Betroffene durch die schwierige Lebensphase einer Scheidung begleitet. Sein Blick ist hierbei nicht nur im Jetzt, sondern auch im Morgen und Übermorgen. Für diesen Blick ist ein Fachanwalt für Familienrecht erforderlich.

 

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